21. 05. 26

 

Diskutierten angeregt über die Rolle und die Möglichkeiten der Raumentwicklung bei der Gesundheitsförderung und der Gesundheitsversorgung: Christian Studer (Hausarzt), Thomas Baumann (Kantonsrat und Gemeinderat Suhr, AG) und Sandra Remund (Architektin und Fachexpertin Wohnen im Alter). Moderation: Sabina Ruff (rechts).

Gesund geplant? – Erkenntnisse und Perspektiven aus dem plan:team Kolloquium

 

Unter dem Jahresmotto «Interdisziplinarität» widmete sich das heutige plan:team-Kolloquium vom 21. Mai 2026 der Schnittstelle von Raumentwicklung und Gesundheitsförderung und -Versorgung.

 

Hinweis:

Die Aufzeichnung des Kolloquiums ist auf YouTube verfügbar.

 

Gesundheit ist weit mehr als medizinische Versorgung. Wie wir wohnen, wie wir uns bewegen, ob wir Begegnungsorte im Alltag haben und wie unser räumliches Umfeld gestaltet ist, beeinflusst unser Wohlbefinden massgeblich. Gleichzeitig steht die ambulante Grundversorgung in der Schweiz zunehmend unter Druck: Fachkräftemangel, demografische Alterung, steigende Kosten und Unterschiede zwischen Stadt und Land stellen Gemeinden und Regionen vor grosse Herausforderungen.

 

Das plan:team-Kolloquium vom 21. Mai 2026 widmete sich diesem Spannungsfeld zwischen Raumentwicklung, Gesundheitsversorgung und Alltagsqualität. Moderiert von Sabina Ruff – Geschäftsführerin und Inhaberin des Laboratoriums für Zukunftsgestaltung – diskutierten Fachpersonen aus Gesundheitswesen, Politik und Planung über Handlungsspielräume, Verantwortlichkeiten und mögliche Lösungswege.

 

Gesundheitsversorgung interdisziplinär denken

Zu Beginn führte Manuela Oetterli, Public-Health-Expertin und Mitglied der Geschäftsleitung von Interface, in das Thema der integralen Gesundheitsversorgung ein. Sie zeigte auf, dass Gesundheit nicht als isolierter Zustand verstanden werden kann, sondern als Prozess, der stark vom Lebensumfeld beeinflusst wird: «Gesundheit ist kein Zustand, sondern ein Kontinuum», so ihr Appell.

 

Anschliessend stellte sie das Ko-Kreationsprojekt Health 2040 «Gesundheitsnetz für alle – pour tous – per tutti» vor. Im Zentrum steht die Frage, wie ein zukunftsfähiges Versorgungsmodell aussehen kann. Patientinnen und Patienten sollen in ihrem Lebensumfeld und Zuhause im Zentrum stehen und einen niederschwelligen Zugang zu einem vernetzten Gesundheitsnetz erhalten. Besonders wichtig ist dabei die Verbindung von Gesundheit und Sozialem: Medizinische und soziale Leistungserbringende sollen stärker zusammenarbeiten und gemeinsame Zentren bilden.

 

Gesundheit in der Raumentwicklung

Im zweiten Fachinput zeigten Fiona Straub und Charlotte Wild, Praktikantinnen beim plan:team, wie Gesundheit in kantonalen Richtplänen und in der kommunalen Planung bisher aufgegriffen wird. Ihre Analyse zeigte, dass Gesundheit zwar in verschiedenen Zusammenhängen auftaucht, etwa bei Lärm, Luftqualität, Freiraum, Verkehr oder Versorgung, jedoch selten als klares Ziel der Raumentwicklung formuliert ist.

 

Ergänzend wurden Stimmen aus verschiedenen Gemeinden eingespielt. Die Kurzinterviews zeigten, dass Gesundheit auf kommunaler Ebene sehr unterschiedlich verstanden wird: teilweise über Bauvorschriften, Wohnhygiene, Begrünung oder Mobilität, teilweise über Gesundheitsversorgung, Alterswohnen oder soziale Angebote. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Zuständigkeiten, Grundlagen und Ressourcen oft noch unklar sind.

 

Podiumsdiskussion: Gesundheit als gemeinsame Aufgabe

Nach den Fachinputs diskutierten Sandra Remund, dipl. Architektin ETH und Fachexpertin «Wohnen im Alter», Gerontologie und Raumentwicklung, Thomas Baumann, Gemeinderat Suhr und Grossrat Kanton Aargau, sowie Christian Studer, Arzt, über kommunale, gesundheitspolitische und gestalterische Handlungsspielräume.

 

Der Fokus lag auf der Frage, welchen Beitrag die Raumentwicklung zur Gesundheit leisten kann. Dabei wurde deutlich: Gesundheit ist weder allein Aufgabe des Gesundheitswesens noch allein Aufgabe der Raumplanung. Vielmehr braucht es ein Zusammenspiel von Gemeinden, Politik, Planung, Gesundheits- und Sozialbereich sowie der Zivilgesellschaft.

 

Ein Schwerpunkt der Diskussion war die Prävention. Sandra Remund betonte, dass Gesundheit weit mehr umfasst als Versorgung. «Prävention beginnt im Alltag: bei Begegnung, Bewegung, Nachbarschaft und sozialer Teilhabe. Aus Sicht der Raumentwicklung bedeutet das, Begegnungsorte zu schaffen, attraktive Aussenräume zu fördern und Wohnformen so zu gestalten, dass Menschen miteinander in Kontakt kommen können», beschrieb sie ihren Ansatz.

 

Auch die Qualität öffentlicher Räume und deren Beitrag zur Gesundheitsförderung wurde diskutiert. Gemeinderat Thomas Baumann: «Aussenräume müssen konkurrieren gegen die meistens sehr gute Qualität der Innenräume.» Damit machte er deutlich, dass Freiräume, Plätze und Wege nicht nur vorhanden sein müssen, sondern so gestaltet werden sollten, dass sie im Alltag gerne genutzt werden.

 

Ein weiteres wichtiges Thema war das Wohnen im Alter. Alterswohnangebote sollen nicht isoliert entstehen, sondern in lokale Alltagsstrukturen eingebettet sein. Gerade wegen der starken Wohnortverbundenheit vieler Menschen braucht es wohnortnahe Angebote, kurze Wege, Begegnungsmöglichkeiten und unterstützende Netzwerke, so die Ansicht der Diskutantinnen.

 

Sabina Ruff brachte zudem die psychische Gesundheit in die Diskussion ein. Begegnungsfreundliche Architektur, soziale Räume und Generationenwohnen wurden als mögliche Ansätze genannt, um Teilhabe zu fördern und Einsamkeit entgegenzuwirken. Gleichzeitig wurde betont, dass solche Lösungen nicht überall gleich funktionieren. Die Menschen vor Ort müssen einbezogen werden, damit Angebote und Räume tatsächlich zu den lokalen Bedürfnissen passen.

 

Hausarzt Christian Studer wies darauf hin, dass nicht alles über Raumplanung gelöst werden könne. Dennoch könne sie wichtige Voraussetzungen schaffen: für Bewegung, Begegnung, Erreichbarkeit, Prävention und bessere Vernetzung von Angeboten. In diesem Zusammenhang wurde auch über «Social Prescribing» gesprochen, also darüber, soziale Aktivitäten, Vereine oder Begegnungsangebote als Teil eines Gesundheitsverständnisses mitzudenken.

 

Wichtige Erkenntnisse

Das plan:team-Kolloquium machte deutlich, dass Gesundheitsversorgung nicht isoliert betrachtet werden kann. Sie ist eng verknüpft mit Raumentwicklung, Mobilität, Wohnen, Freiraumqualität, sozialer Teilhabe und lokaler Gemeinschaft. Eine zukunftsfähige Versorgung braucht deshalb interdisziplinäre Zusammenarbeit und neue Allianzen zwischen Gemeinden, Planung, Gesundheits- und Sozialbereich sowie der Zivilgesellschaft.

 

Gleichzeitig wurde klar, dass es keine allgemeingültigen Lösungen gibt. Gemeinden und Regionen stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen und benötigen entsprechend unterschiedliche Ansätze. Raumplanung kann dabei nicht alle Probleme lösen, aber sie kann wichtige Voraussetzungen schaffen: mit kurzen Wegen, attraktiven Aussenräume die soziale soziale Begegnung fördern. Hinzu kommen wohnortnahe Angebote und eine bessere Verbindung zwischen medizinischer, sozialer und alltäglicher Versorgung.

 

Im Anschluss an das Kolloquium waren alle Anwesenden zu einem Apéro eingeladen, um sich über die Eindrücke auszutauschen und die Diskussion im informellen Rahmen weiterzuführen.

 

Währenddessen war es möglich, an einer Sinneserfahrung des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbands SBV teilzunehmen. Dabei erhielten die Teilnehmenden einen interaktiven Einblick in den Alltag von Menschen mit Sehbehinderung und konnten erfahren, wie stark Orientierung, Mobilität und Teilhabe von der Gestaltung des räumlichen Umfelds abhängen.

 

Nächstes Kolloquium zu RPG2

Im nächsten Kolloquium dreht sich alles um die zweite Etappe der Revision des Raumplanungsgesetzes (RPG2) – wiederum aus einer breiten, interdisziplinären Perspektive mit Gästen aus verschiedenen Tätigkeitsfeldern und Blickwinkeln auf den (Landschafts-)Raum. Eines scheint dabei klar: in welche Richtung es gehen wird und was dies für die Raumentwicklung mittel- bis langfristig bedeutet, weiss derzeit wohl noch niemand.

 

Save the Date: Donnerstag, 26. November 2026.

 

Wir freuen uns, euch auch beim nächsten Mal wieder begrüssen zu dürfen und wünschen allen einen tollen Sommer.

 

Euer plan:team

Autor: Planteam
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«Ich bin beim plan:team, weil ich hier die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung stellen kann.»

Kristina Noger, Fachleiterin Freiraum

«Als plan:team setzen wir uns mit allen Aspekten des menschlichen Zusammenlebens auseinander. Die regionale Wirtschaft und Politik sind genauso wichtig wie soziale und ökologische Fragen.»

Claudio Birnstiel, Fachmitarbeiter

«Ich bin GIS-Spezialist und arbeite mittlerweile als Raumplaner. Beim plan:team fühle ich mich deshalb am richtigen Ort. Denn bei unseren Raumanalysen greifen wir täglich auf hochmoderne Geoinformationssysteme zurück.»

Hans Arnet, Projektleiter

«Der Wandel öffentlicher und individueller Erwartungen an unseren räumlich begrenzten Lebensraum ist mit grossen Herausforderungen verbunden. Es ist eine der anspruchsvollen Aufgaben unserer Zeit, ihn gemeinsam mit den involvierten Akteur:innen für die kommende Generation zu gestalten.»

Mark Zibell, Projektleiter

«Wo geplant wird, wird bewegt.»

Angela Montagano, Fachmitarbeiterin

«Flexible Arbeitsplätze tragen zur kreativen Lösungsfindung bei.»

Jonas Huwiler, Fachmitarbeiter

Schulraumplanung ist komplex. Die verschiedenen Einflussfaktoren werden in Beziehung gesetzt, sodass sie die Eigenheiten des Ortes widerspiegeln. Wir unterstützen Gemeinden vom Kleindorf bis zur Stadt mit mehreren Schulstandorten.

Daniel Sax, Fachmitarbeiter